Die letzte Woche.

Erfreulicherweise hat heute die letzte Woche vor den Ferien angefangen. Und das ist sie auch einfach: die letzte Woche vor dem Urlaub, den Ferien. Es ist nicht die letzte Woche Waldorfschule, weil wir nicht zurückblicken und uns ärgern wollen.

Am letzten Freitag gab es für Philip eine Strafarbeit: “Warum störe ich den Unterricht nicht?” Dazu sollte er einen Aufsatz schreiben. Ich konnte leider mein Erstaunen darüber nicht verbergen und so haben wir beschlossen, dass er diesen Aufsatz nicht schreiben wird. 1,5 Jahre lang gab es keine einzige Strafarbeit und nun eine Woche vor dem Ende werden wir damit auch nicht anfangen. Es ist einfach nur noch lächerlich. (Abgesehen davon ist die Formulierung ohnehin so was von beknackt, weil, es ist doch toll, dass er den Unterricht nicht stört.) Was auch immer sich die Klassenlehrerin dabei gedacht hat – ich werde es nicht verstehen. Und es ist jetzt auch egal!

Am Freitag wird der Mann die Kinder ins Auto laden und den Kleinen zu meinen Eltern, den großen zu seinen Eltern bringen. Dann haben wir eine Woche nur für uns und die Arbeit, bevor der Kleine dann am Wochenende wieder zu uns gebracht wird. Der Große bleibt erstmal drei Wochen an der Nordsee und reist dann weiter zu meinen Eltern, wo wir ihn dann nach insgesamt vier langen Wochen abholen werden. Keine Abschiebung sondern der Wunsch des Kindes.

Die letzten zwei Wochen der Ferien verbringen wir dann alle gemeinsam zu Hause. Es muss noch die Material-Liste der neuen Schule abgearbeitet werden. Der neue Ranzen steht schon bereit, der alte ist einfach zu klein geworden und trägt sich schlecht für unseren 1,52m großen Riesen. Wir sind gespannt, wie es werden wird. Vielleicht brauchen wir beim Schulthema einen genauso langen Anlauf wie bei der Wohnsituation. Da mussten wir ja auch erstmal zwei Wohnungen in Hessen ausprobieren, um dann am Ende in unser Traumhaus zu ziehen. Vielleicht ist Schule Nr. 3 ja das perfekte Traumhaus für den Großen.

Aber jetzt: Eine Woche voller Abschiede. Ich denke, es wird hart aber herzlich. 😀

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Ende

Wir zählen.

Noch drei Wochen Schule.

Noch 29 Mal Schulweg fahren.

Noch 14 (plus der Rest von heute) Tage Schule.

Dann endlich 6 Wochen Ferien. Es wird Zeit!

Und dann? Dann heißt es: Schulwechsel. Mal wieder.

Leider hat der Große die Probezeit der Waldorfschule nicht bestanden und muss sie nun verlassen. Wir sind alle sehr traurig und maßlos enttäuscht. Wir schwanken zwischen: “Wir müssen das so hinnehmen” und “Wir wollen diesen Wechsel nicht”. Die Schule hat nun eine Lösung herbeigeführt, die eine Lösung für die Schule nicht aber für das Kind ist. Das Verhalten der Lehrer, diese Entscheidung entspricht mit nichts dem, was eine Waldorfschule ausmacht. Unser Kind wird dargestellt, als wäre es verhaltensgestört. Wir haben die Tests gemacht. Er ist es nicht. Er kommt überall zurecht. Er ist nicht mehr der Junge, der im Sportverein negativ auffällt. Er ist ein ruhiger Junge geworden. Er hat Freundschaften geschlossen. Es klappt überall viel, viel besser, auch zu Hause, und bei der Hausaufgabenbetreuung.

Nur die Lehrer, die können ihn nicht bändigen. Er sei unterfordert heißt es jetzt plötzlich, wo noch vor einigen Wochen die Sorge bestand, dass er die 4. Klasse inhaltlich nicht packt. Er würde sich für die Inhalte nicht interessieren. Was genau er macht, dass man ihn nicht länger haben möchte, sagt uns kein Mensch. “Er stört” heißt es da nur immer wieder. “Er ist laut.” Was das mit einem gerade erst Neunjährigen anstellt, wenn man so abgelehnt wird, darüber denkt kein Mensch nach. Es sind erwachsenen Menschen, die sich nicht im Griff haben, keine professionelle Distanz wahren. Die das Kind spüren lassen: “Du bist hier nicht willkommen.” Das ist es, was mir das Herz bricht. Und ihm.

Nun muss er wieder zurück an die Regelschule, die kleine Grundschule im Dorf. Er muss das Jahr wiederholen, wird noch mehr auffallen, weil er mit Abstand der Größte sein wird, weil er die Klasse wiederholen muss (“Sitzenbleiber”). Mir ist das egal. Mein Vater sagte: “Arbeiten muss er noch sein Leben lang. So kann er ein Jahr länger Kind sein.” Ich glaube, Philip ist schon seit Monaten kein Kind mehr. Nur noch ein von Sorgen Getriebener, der seinen Platz nicht findet, der nicht zu sich und zur Ruhe kommen kann, weil es immer so viel Aufregung um ihn gibt.

Und dann spüre ich jeden Tag so deutlich, dass er mit großen Schritten in Richtung Pubertät unterwegs ist. Er wird immer ruhiger, verschlossener. Er hat nicht mehr viel Zeit, Kind zu sein und die letzten Jahre hat er nicht wirklich oft die Gelegenheit dazu bekommen.

Vielleicht ist das aber auch seine Reaktion auf das Erlebte, auf die Ablehnung, auf unsere ewigen Streits wegen der Schule, die vielen Dinge, die gesagt wurden, der Druck den wir aufgebaut haben, weil “Das muss da unbedingt klappen an dieser Schule, die ist für Dich perfekt!”

Wer will schon Perfektionismus, wenn er Glück haben kann?

Ja, und nu?

Am Samstag schauten wir uns ein kleines Reihenhaus an. 125 Quadratmeter, vier Zimmer, 250qm Garten. Lage suboptimal, Zustand unterirdisch, Miete im Verhältnis viel zu hoch. Aus der Traum vom Haus. Mal wieder. Aber das kennen wir ja schon. Und so langsam schlich sich das Gefühl ein: Vielleicht können wir uns einfach kein Haus leisten. Jetzt. im Moment. es gäbe ja tolle Dinger, aber wir sind eben nicht bereit 1500€ Miete zu zahlen und bauen/kaufen ist auch überhaupt keine Option.
Also überwand ich mich gestern und rief die Nummer an, die mir eine Bekannte gegeben hatte. Die Nummer gehörte zu einer jungen Frau, die drei Häuser weiter wohnt und aus der Wohnung nun ausziehen wird. Obwohl es die gleiche vielbefahrene Strasse ist, es kein Haus zu vermieten gibt, war ich neugierig. Altbau, 120qm, Gartenmitbenutzung, 6 Zimmer und das Ganze für unter 1000€ warm, lockten mich einfach. Also vereinbarte ich eine Besichtigungstermin für heute nachmittag und ging dort auch erstmal allein hin, also mit den Kindern, aber ohne Mann. 😉
Leider, leider ist die Wohnung ziemlich toll. Und zudem auch noch günstiger als unsere jetzige. Aber eben auch genauso laut. (Ich glaube ja, dass es dort schon leiser ist, aber mein Mann sieht das anders.) Jedenfalls war die Wohnung so toll, dass ich meinen Mann heute Abend direkt rüberschickte zum Gucken. Und weil der nun aber im Kino ist und ich mich mitteilen muss, schreibe ich diesen Post.

Und diese Liste:
Pro
~ gleiche Lage, gleiche Vorteile (kurzer Weg zur Arbeit, zum Kindergarten, gemeinsames Mittagessen, stadtnah)
~ gleiches soziales Umfeld (!!!)
~ mehr Zimmer
~ weniger Miete
~ Garten
~ Vermieter ≠ Chef (!!!!!!!!!!!)
~ weniger ungenutzte Quadratmeter
~ getrennte Kinderzimmer + Arbeitszimmer + Esszimmer (Zimmeranzahl verdoppelt sich!)

Contra
~ Umzug und die damit verbundenen Kosten
~ gleiche laute Strasse
~ eventuell Küchenübernahme
~ kein Gäste-WC, kein Balkon
~ …
Eigentlich eindeutig, aber leider nur eigentlich. Ich weiß nicht, ob wir einen Umzug finanziell stemmen können, inkl. der anfallenden Kosten für die Küche, die wir übernehmen müssten und auch so Sachen wie die horrende Nebenkosten-Nachzahlung, die uns auf jeden Fall erwartet wegen des langen Winters. Entscheiden müssten wir uns bis Ende der Woche. Und dann wissen wir noch immer nicht, ob es klappt, da eigentlich schon eine Maklerin eingeschaltet ist, die wir aber wegen der oben erwähnten Bekannten ja komplett umschippert haben. Besagte Maklerin kennen wir aber und da ließe sich dann möglicherweise tatsächlich etwas drehen.

Und zu allem Übel habe ich auch eigentlich nicht so wirklich viel Lust schon wieder umzuziehen. Man kommt sich ja vor, wie ein Nomadenvölkchen. Alle 2,5 – 3 Jahre umziehen… Andererseits haben wir auch echt schon eine Menge mitgemacht und heute wurde uns schon die nächste Baustelle offenbart und das nervt mich eigentlich am allermeisten. Also vielleicht?…

Erstmal drüber schlafen und dann schauen wir mal morgen früh. Aber ich werde wohl nicht besonders gut schlafen. Insgeheim richte ich nämlich schon ein. Mal schauen, ob es meinem Mann genauso geht. 😉

EDIT: So, die halbe Nacht in Gedanken Möbel gerückt und heute morgen das OK vom Mann bekommen. Wir werden also versuchen, unsere Traumwohnung zu bekommen. Ein paar gedrückte Daumen können sicher nicht schaden. 😀 Hui, bin ich aufgeregt!!!

Natürlich!

Kaum schreibt man, dass das Baby morgens immer ganz toll zwei Stunden schläft, ist es auch schon wieder vorbei. Und von den Nächten schreibe ich lieber nichts. Wer weiß, was ich sonst auslöse.

Das Wochenende war irgendwie so richtig anstrengend. Am Samstag haben wir endlich Philip Geburtstag nachgefeiert. Irgendwie kam uns da immer jemand zuvor oder wir haben zu spät dran gedacht oder oder … Wir waren mit ihm und vier seiner Freunde in einem Indoorspielplatz und die fünf hatten dort ihren Spaß. Richtig nass geschwitzt waren sie am Ende. Und sehr, sehr müde. Für uns war das in diesem Jahr die stressfreieste Variante, aber nächstes Jahr wird wieder zu Hause gefeiert. Konnte ja aber auch keiner ahnen, dass das Wetter wirklich s gut wird. Wenn ich das gewusst hätte, hätten wir mit den Kindern wohl eher eine Schnitzeljagd veranstaltet. Nächstes Jahr feiern wir dann wieder im Juni und hoffen, dass das Wetter dann auch so gut ist.
Gestern ist Philip bei seinem ersten Radrennen mitgefahren. Er war vorher ziemlich aufgeregt, hatte aber gegen die teilweise vier Jahre ältere Konkurrenz keine Chance. Ich denke, es wäre für ihn auch eher etwas gewesen, wenn die Strecke länger gewesen wäre. Er fährt ja sonst immer um die 20km, gestern waren es drei. Als “Trostpreis” gab es dann einen neuen Radhelm, nicht schlecht finde ich. 😉
Richtig spannend war für uns dann das Elite-Rennen, bei dem einige unserer Ex-Kollegen und jetzt Nachbarn mitfuhren. Teilweise waren die mit einem wirklichen Affenzahn auf der Strecke unterwegs. Bis 48km/h und das alles immer auf diesen total dünnen Reifen (Rennräder halt). Ich könnte mich da, glaube ich, keine 10m drauf halten. Es war auf jeden Fall ziemlich spannend und die 80 zu fahrenden Runden erstaunlich schnell rum.
Anschließend haben wir uns noch den Grill angeschmissen. Beim Essen war es so still wie schon lange nicht mehr, so platt waren wir alle. Nächstes Wochenende steht hier bisher nur eine Veranstaltung an. Wir sind ja so einen Tumult gar nicht mehr gewöhnt. 😉

3 Monate!

Johannes ist nun schon drei Monate alt. Unglaublich! Irgendwie rennt die Zeit. Aus dem kleinen, schlaffen Menschlein, dass am liebsten an mich gekuschelt schlief, ist ein kleiner Entdecker geworden. Er ist besessen davon, die Hände und das, was sie zu fassen bekommen, in den Mund zu stecken. Tag und Nacht wird rumgelüllert. 😉 Entsprechend wenig Zeit bleibt da zum Schlafen, was allerdings in erster Linie mich zu schlauchen scheint.

In den letzten Tagen ist mir noch ein ganz entscheidender Unterschied zum großen Bruder aufgefallen. Während Philip fremden gegenüber total offen war, sich ihnen entgegen reckte, sie anlachte und absolut nicht schüchtern war, ist Johannes wirklich sehr zurückhaltend. Fremde anlächeln kommt ihm gar nicht in den Sinn und am liebsten bleibt er bei Ausflügen ohnehin ganz nah bei Mama oder Papa. Der Kinderwagen steht entsprechend quasi ungenutzt herum. Nur manchmal, wenn es mir zu warm zum Tragen ist oder wir etwas mehr einkaufen müssen, nehme ich den Kinderwagen, aber man sieht Johannes dann richtig an, wie sehr ihn das stresst. Diese ganzen Eindrücken, das Gepolter – nein, dann doch lieber sanft geschaukelt vor Mamas/Papas Brust.
Ich finde es auch ehrlich gesagt gar nicht schlimm, dass er nicht jeden dirket anlächelt. Eine gewisse Skepsis ist ja hin und wieder wirklich angebracht. und sobald er die Menschen mehr als einmal gesehen hat und sie ihm sympathisch sind, lächelt er auch.

Ansonsten läuft es wirklich sehr gut. Auch die Geschwister verstehen sich. Johannes himmelt Philip an sobald dieser in seiner Nähe ist und Philip kann gar nicht oft genug am Bruder schnuffeln, ihn knutschen und ihm sagen, wie lieb er ihn hat. Von Eifersucht ist hier nur ganz selten etwas zu merken und eigentlich ist das dann auch nur um vom eigentlich Ärger abzulenken. Der Altersabstand stellt sich auch immer mehr als perfekt für uns heraus. Ich glaube, zwei kleine Kinder hätte ich nicht gepackt. Es ist gut, dass Philip in vielen Dingen schon so selbständig ist. Er hilft mir auch, wann immer ich ihn darum bitte, ist aber dennoch oft genug Kind, was ich sehr wichtig finde.

Doch, uns geht es gut zur Zeit. Nur diese bleierne Müdigkeit…

Sportlich, sportlich.

Die ganze Familie im Bewegungsrausch! 😉
Während ich mich zwinge einige Übungen aus der Rückbildung auch zu Hause zu machen (puh!), fährt Pete dreimal die Woche für 2 Stunden mit dem Rad. Und auch Johannes bekommt immer mehr Bewegungsdrang und ich muss mich echt ermahnen, ihm auch mal die Möglichkeit zu geben, sich zu bewegen. Bisher hatte ich ihn ja quasi den ganzen Tag entweder auf dem Arm oder im Tragetuch. Das ist nun vorbei! Das erste Baby-Sportgerät hat Einzug gehalten und seit zwei Tagen wird ganz konzentriert trainiert. Und immer öfter klappt es, dass er die Figuren dort anboxt, was ja eine Vorstufe zum Greifen sein soll. Das Ganze macht er dann so 10-15 Minuten und anschließend fällt er in nahezu komatösen (Kurz-)Schlaf.
Und Philip? Der entwickelt sich langsam aber sicher zum Flummi. Ganz selten schafft er es mal ruhig sitzen zu bleiben, aber eigentlich turnt er den ganzen Tag herum, tanzt oder macht “Karate”. Das dürfte dann ab August spannend werden. 😉

Heute vor acht Wochen…

lernten wir gerade unseren Zweitgeborenen kennen. Wir waren entzückt und erschrocken zugleich über seine Winzigkeit. Alles war so viel zarter als bei seinem großen Bruder. Selbst das Stimmchen, mit dem er einige seltene Male krähte, war so zart, dass wir nicht anders konnten, als ihn sofort in unser Herz zu schließen.
Acht Wochen ist das nun her und ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie es ohne ihn war. Er ist so schnell in seine chaotische Familie hineingewachsen. Und ich bin froh, dass wir ihn haben. Dass ich noch einmal an einem zarten Köpfchen schnuppern darf. Auch wenn die Nacht so schlecht war, wie die letzte – ein Blick in seine wunderschönen braunen Augen und ich schmelze dahin, vergesse, dass ich kaum geschlafen habe und bin ganz erfüllt von dem Augenblick.
Endlich sind wir vollständig, der leere Platz gefüllt.

Wieder vollzählig

Seit letztem Donnerstag ist die Familie wieder vollzählig. Das große Kind kam nach einem langen Tag im Auto ziemlich gerockt hier an und wir alle verdrückten ein Tränchen. Fast drei Wochen war er weg, ist mindesten 10 2,5cm gewachsen und drei Kilo schwerer.

Geburtsbericht.

Nachdem ich am Montag (14.3.) von meiner Hebamme und auch von meiner Ärztin hörte, dass es auf jeden Fall noch dauern wird, bis das Kind kommt, ließ ich mich nachmittags dazu hinreißen zu sagen, dass es dann jetzt wohl bald losgehen würde. Wirklich damit gerechnet habe ich aber nicht. Auch dachte ich, dass ich sicher ganz klassisch mit dm Einsetzen von Wehen in die Geburt starte. Einen Blasensprung hatte ich irgendwie nicht auf dem Schirm.
Als ich dann an besagtem Montag abends ins Bett ging, mich kurz aufsetzte um mich zuzudecken, riß die Blase dann doch. “Kann ja gar nicht sein” dachte ich und ging erstmal zum Klo um zu schauen, ob ich jetzt nicht doch einfach inkontinent wurde. Im Bad war ich dann ziemlich schnell sicher, dass es sich tatsächlich um Fruchtwasser handelt, aber ich musste mir noch via facebook die Bestätigung holen. 😉
Als das geklärt war, saß ich erstmal einigermaßen ratlos in der Küche. Was nun? Wir hatten keine Betreuung für Philip, meine Mutter wollte ja erst am 26.3. kommen. Zudem war es mitten in der Nacht, ich hatte keine Wehen und überhaupt fühlte ich mich ziemlich überrumpelt von alldem. Meine Tasche hatte ich auch noch nicht gepackt, also suchte ich halbherzig ein paar Sachen zusammen und besprach mit dem Mann, dass dieser mich ins Krankenhaus bringen und ich dann später zur Not ja ein Taxi nach Hause nehmen könnte. Genau. 😉
Im Krankenhaus angekommen wurde ich wie immer freundlich begrüsst, es wurde ein CTG geschrieben bei dem ich mal wieder tierisches Sodbrennen bekam und nach der Untersuchung stand dann auch fest, dass ich kein Taxi brauchen würde. Zufälligerweise war auch gerade die Ärztin im Hause und teilte mir mit, dass ich natürlich nicht mehr heim gehen kann. Die diensthabende Hebamme rang mir dann noch das Versprechen ab, dass ich auf jeden Fall spontan gebäre, da die beiden gerade laufenden Geburten in Kaiserschnitten endeten. Ich war müde. Ich war entschlossen. Also versprach ich. Da ich im Büro auf der Pritsche lag, warf ich noch einen Blick auf den Dienstplan und stellte mit Entzücken fest, dass doch tatsächlich meine Wunschhebamme die Tagschicht hatte.
Zunächst wollte ich aber erstmal schlafen. Zwei Uhr nachts, keine Wehen, also ab ins Zimmer. Leider kein Einzelzimmer und meine Nachbarin tat alles, um mich um den so nötigen Nachtschlaf zu bringen. Etwa alle 20 Minuten klingelte sie, weil ihr Kind so unruhig war. Am Ende wurde ihr dieses dann mit übervollem Magen abgenommen und sie konnte endlich schlafen. Das war um fünf Uhr morgens. Blieben zwei Stunden Schlaf für mich.
Nach dem Frühstück, einer größeren Blutentnahmeprozedur und einer Dusche, wurde ich dann in den Kreißsaal gebeten und an den Wehentropf gehangen. Eigene Wehen hatte ich zwar, aber ich merkte selbst, dass die nichts bewirkten und nicht schmerzhaft genug waren. Wir fingen ganz vorsichtig an, das Wehenmittel lief auf 10ml/Stunde. Und bewirkte gar nichts. Also wurde immer wieder hochdosiert, ich watschelte über den Gang, ärgerte mich, dass es schon wieder nicht so gut lief und sich einfach nichts tat. Um 14 Uhr lief der Tropf dann auf 60ml/Stunde, Pete verschwand nach Hause um etwas zu schlafen und ich bekam zum ersten Mal an diesem Tag wirklich schmerzhafte Wehen. Ich bat meine Hebamme trotzdem, den Tropf noch einmal um 10ml zu erhöhen. Einige Minuten später rief die Ärztin an und verlangte, dass der Tropf auf 90ml/Stunde erhöht werden sollte.
Ab diesem Zeitpunkt bekam ich dann alle 2 Minuten wirklich schmerzhafte Wehen. Ich merkte zwar, dass diese viel zu kurz waren um zu arbeiten, aber ich hoffte, dass die Häufigkeit ausreichen würde. Gegen vier wurde ich dann noch einmal untersucht. Ernüchternde Erkenntnis: 3-4cm Muttermundseröffnung und das Kind noch immer nicht im Becken. Es wurde Zeit für klare Worte, die die liebe Hebamme dann auch fand, mir sagte, dass wir es, wenn ich möchte noch 1-2 Stunden versuchen könnten, sie aber sicher wäre, dass es nicht klappt und ein Kaiserschnitt in aller Ruhe, jetzt wo es dem Baby noch gut ginge, die beste Lösung sei. Ich verzichtete auf 1-2 Stunden “Plastikwehen”, verließ mich auf ihre mehr als 20 Jahre Berufserfahrung und verabschiedete mich vom Gedanken an eine wunderbare Wassergeburt.
Die Ärztin musste dann ja auch noch mal ran und untersuchen, fragte ganz entsetzt, was wir da eigentlich versuchen würden, dass wäre doch ganz klar ein Mißverhältnis. (Ich liebe dieses Wort!)
Und dann ging es doch wieder ganz flott. OP-Vorbereitungen, Formulare unterschreiben, zwischendrin die Frage, ob denn mein Mann gerufen werden solle, die ich – warum auch immer – verneinte. Ich war sicher, dass er nicht mitkommen wollen würde, außerdem hatte er ja Philip und ich bildete mir ein, dass die Präsentation des geholten Babys am Abend ausreichen würde. Und dann ging es auch schon ab in den OP, ich sollte die Betäubung gesetzt bekommen, als plötzlich die Hebamme vor mir steht und sagt: “Dein Mann ist jetzt doch da. … Ich glaube, der ist böse, dass wir ihn nicht angerufen haben. … Darf er denn mit rein?” Ich ließ meinen Mann das selbst entscheiden und verdrückte 2-7 Tränchen, als ich hörte, dass er sich umzog. (Kleiner Exkurs: Als er Philip vom Kindergarten abholen wollte, bot sich eine Mutter an, ihn für eine Weile mit zu sich zu nehmen, was dankend angenommen wurde. Pete fuhr also nichtsahnend ins Krankenhaus um nach mir zu sehen und wurde dort mit den Worten: “Ihre Frau ist im OP.” begrüsst.) Im OP ging das Übliche Prozedere weiter inkl. plötzlichem Panikanfall vom Anästhesie-Chef: “Die hat ne Latex-Allergie. Wir müssen auf latexfrei umsteigen!” Also alle raus aus den Handschuhen, rein in latexfreie Modelle, Latex-Katheder raus, neuer rein, Beine hoch und ab dafür. Natürlich spielte mein Kreislauf erstmal wieder nicht mit und so vergingen dann doch ein paar mehr Minuten, die ich brauchte um wieder ansprechbar zu werden.
Dann saß Pete neben mir, wir warteten auf das Startsignal (“Wir machen jetzt auf.”), das kam aber nicht, statt dessen hörten wir unseren Sohn schreien, bestaunten ihn für einen Moment, wurden total emotional, klärten endgültig die Namensfrage, während unser Johannes zwischen uns lag und waren einfach nur glücklich. Pete fuhr dann mit der Hebamme schon einmal zurück in den Kreißsaal während ich noch fertig gemacht wurde. Das kostete mich ziemlich viel Blut, es wurde etwas hektisch, ich hingegen ziemlich müde und als ich hinterher hörte, was beim letzten Kaiserschnitt alles versaut wurde, war ich froh, dass es so gekommen ist. Die Abschlussarbeiten dauerten dank mit der Gebärmutter verwachsener Blase und der Narbenkorrektur 40 statt 20 Minuten. Anschließend ging es auch für mich zurück in den Kreißsaal und auch nach diesem Kaiserschnitt fehlte mir die Kraft, dieses kleine wunderbare Bündelchen selbst zu halten. Aber all das war egal, es war vorbei und unser jüngster Sohn – wunderschön – geboren.

Und nun noch ein kleiner missionarischer Exkurs: Ich habe mich bereits nach meinem ersten Kaiserschnitt gefragt, warum es Frauen gibt, die sich das freiwillig antun. Nach Nummer 2 bin ich nun sicher: Die müssen verrückt sein. Ich habe in den Tagen nach der Geburt unter so starken Schmerzen gelitten, dass ich an Tag drei fast durchgedreht wäre und man mir abends ein wirklich starkes Schmerzmittel verabreichen musste. Ich habe noch heute, zwei Wochen danach, Schmerzen beim Pinkeln. Die Narbe schmerzt dann und wann. Ich konnte in den ersten Tagen mein Baby weder allein ins Bett legen noch herausnehmen. Ich konnte es nicht wickeln, nicht gut halten und auch mental war ich total angeschlagen. Ein Kaiserschnitt ist ganz sicher nicht der leichtere Weg um eine Schwangerschaft abzuschließen. Wenn ich im Vergleich dazu an meine Zimmernachbarin denke, die sich binnen zwei Stunden ein 4300g schweres, 59cm langes Mädchen rauspresste und anschließend fitter war, als ich es bis zu meiner Entlassung je werden konnte, kann ich nur empfehlen, es in jedem Fall spontan zu versuchen. Ein Kaiserschnitt ist kein Reißverschluss am Bauch sondern eine ernstzunehmende Operation, die den Körper schwächt. So.

Wenn…

4 Wochen vor Beginn des Mutterschutzes noch kein Mensch Chef mit einem über Länge der Elternzeit und die Wiederkehr gesprochen hat, dann fühlt sich das irgendwie extrem Scheiße an. Und das trotz mehrfachem darauf Ansprechen und um einen Termin bitten. Schade.

In erster Linie haben wir aber vier wundervolle Tage mit meiner Mutter verbracht, die äußerst spontan zu Besuch kam. 1,5 Tage nahm sie sich Zeit für Philip und auch ich konnte mit ihr einen schönen Tag erleben, an dem wir sogar schon in der Sonne saßen und Milchshakes tranken. Heute früh musste Pete sie wieder zum Bahnhof bringen und wir sind alle ziemlich traurig, dass sie schon wieder fahren musste. Aber es gibt ja bald ein Wiedersehen!