“Man ist stets gern zu Diensten.”*

Ich habe irgendwann mal aufgeschnappt, dass Menschen, die nicht in der Ich-Form über sich selbst sprechen, sondern sich selbst als “man” bezeichnen, ein gestörtes oder entferntes Verhältnis zu sich selbst als Person haben. Ich habe ja kein Psychologie-Studium absolviert, man möge mir also meine laienhafte Ausdrucksweise verzeihen. Auch kann ich nicht beschwören, dass es sich tatsächlich so verhält. Ich lasse mich aber gern belehren.

Fakt ist aber, dass es merkwürdig ist, wenn Menschen so distanziert über ihre eigenen Gefühle sprechen. Das letzte Mal ist mir das so extrem aufgefallen, als ich eine Doku-Soap über eine Frau sah, die Ihren Mann unter tragischen Umständen verloren hatte und nun vor den Trümmern ihrer Existenz stand. Nachdem in dieser Sendung dann alles getan wurde, um wenigstens das Gröbste wieder ins Reine zu bringen und sie abschließend interviewt wurde, sagte sie so Sachen wie: “Man war ja ganz überrascht. Man hätte ja nie damit gerechnet, dass das in so kurzer Zeit möglich ist. Man wird sich hier sicher sehr wohl fühlen. Man kann nun endlich wieder sorgenfrei in die Zukunft schauen.” Und mir stieß das sofort bitter auf, aber ich dachte auch, dass es sicher nicht verwerflich ist, wenn eine Frau so viel durchgemacht hat und eigentlich “nur noch für die Kinder lebt”, dann ein eher distanziertes Verhältnis zu sich selbst hat.

Nun achte ich natürlich wieder verschärft auf solche Aussagen und stelle einigermaßen verdutzt fest: Das Phänomen ist weit verbreitet. Woher kommt das nur? Ich persönlich finde ja, dass “Ich”-Botschaften sehr wichtig sind. Klar, man wirkt heutzutage schnell egozentrisch, aber das ist im Grunde doch Quatsch. Wenn ich etwas zu sagen habe, ein Gefühl beschreiben möchte oder erklären möchte, warum ich gerade dieses oder jenes getan habe, dann muss ich das doch nicht verallgemeinern. Es gibt doch so viele andere rhetorische Mittel, derer man sich bedienen kann, um nicht jeden Satz mit “Ich” anzufangen. Und ja, diese Verallgemeinerung war Absicht.

*Ein passendes, aber zusammenhangloses Zitat aus einem meiner Lieblingsfilme. (Der 200-Jahre-Mann; 1999)

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2 thoughts on ““Man ist stets gern zu Diensten.”*

  1. Weil den Menschen jahrelang eingetrichtert wurde, wenn sie dauernd von sich erzählen und Sätze mit “Ich” beginnen, wären sie ich-bezogen. Das sei unhöflich. Die allgemeinere “man”-Form gilt da als höflicher.

    Persönlich mag ich ja dieses “gemane” nicht. Kann es aber verstehen, dass unsichere Menschen oder die, die dem Gegenüber bloß nicht das Gefühl geben möchten, sie würden sich selbst wichtiger nehmen, als ihn, diese gern benutzen.

  2. Mir persönlich ist es bis jetzt noch nie aufgefallen, aber tatsächlich benutze ich dieses “man”, besonders wenn ich über etwas rede, das schwierig ist, bzw. schreibe. Ich glaube, gesprochen verwende ich es nicht. Oder doch? Jedenfalls eine interessante Sache…

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